Wie „Du-Botschaften“ Kindergefühle beeinflussen

Das ABC der gehirnbasierten Kommunikation mit Kindern: Du-Botschaften und ihr Einfluss auf die Gehirnentwicklung von Kindern

„Du bist so super!“, „Du bist so ein Genie!“ aber auch „Du bist so faul!“ oder „Was hast du dir nur dabei gedacht?“ – Du Botschaften können ein direkter Angriff sein, aber sie können auch toll klingen. Sie können direkt aber auch indirekt an eine Person gerichtet sein. So oder so, sie haben immer einen direkten Einfluss auf die Gefühlswelt von Kindern.

In diesem Beitrag geht es darum, warum sowohl das eine als auch das andere wenig hilfreich in der Kommunikation mit Kindern ist und wie du mit einer achtsamen, gehirnbasierten Kommunikation, Kinder in einem gesunden Selbstbewusstsein, effektiven Problemlösungsfähigkeiten und Kooperation stärkst.

Was sind Du-Botschaften?

Du-Botschaften werden häufig als Rückmeldung in Konfliktsituationen genutzt. Leider führen Du-Botschaften in den meisten Fällen zu einer Eskalation des Konflikts und zu Kommunikations-Blockaden, da sie häufig direkt oder indirekt Vorwürfe, Schulzuweisungen oder andere Bewertungen des Gegenübers beinhalten.

Hier 10 häufige Du-Botschaften, die Erwachsene häufig in der Kommunikation mit Kindern nutzen.

  1. Befehlen, anordnen, kommandieren
    „Hör jetzt sofort auf zu jammern!“; „Setz dich jetzt sofort hin und mach deine Hausaufgaben!“; „Geh und freunde dich mit ein paar anderen Kindern an!”
  2. Warnen, ermahnen, drohen
    „Wenn du nicht gleich kommst, gehe ich alleine nach Hause!“
  3. Kritisieren, beschuldigen, anklagen
    „Du machst immer alles kaputt!“; „Siehst du, was du jetzt angerichtet hast?“; „Ich habe es dir doch gleich gesagt, dass du das so nicht machen kannst und schau, was jetzt passiert ist!“
  4. Etikettieren, abwerten, beschämen
    „Du bist immer so schlampig!“
  5. Diagnostizieren, analysieren, interpretieren
    „Du tust das nur, um mich zu ärgern!“; “Das glaubst du doch wohl selber nicht!”
  6. Befragen, ausfragen, in die Ecke drängen
    „Warum hörst du nie zu, wenn ich dir was sage?“
  7. Lächerlich machen, spotten, verspotten
    „Du benimmst dich ja wie ein kleines Baby!“
  8. Vergleichen, bewerten, konkurrieren lassen
    „Warum kannst du nicht so sein wie dein Bruder?“
  9. Herunterspielen, minimieren, ignorieren oder ablenken
    „Stell dich nicht so an, das tut doch gar nicht weh!“; „Denk einfach an etwas anderes!“
  10. Idealisieren, unrealistische Erwartungen setzen, starren Selbstwert fördern
    „Du bist so ein Genie!”

Welche Auswirkungen haben Du-Botschaften auf die Gefühlswelt von Kindern?

Obwohl „Du-Botschaften“ wie „Du bist so super!“ oder „Du bist ein Genie!“ zunächst schmeichelhaft klingen, setzen sie oft unrealistische Erwartungen und fördern damit ein starres Selbstbild (siehe unser Blogbeitrag „Was ist Growth Mindset“).
Dies hat negative Auswirkungen auf die Fähigkeit eines Kindes, mit Misserfolgen umzugehen, aus Fehlern zu lernen und kann Selbstzweifel, Leistungsangst und sogar Leistungsverweigerung fördern. Hier ein Beispiel:

Erwachsene*r: „Du bist einfach so ein Genie in Mathe!“
Kind: „Ich bin ein Genie! Aber was, wenn ich einen Fehler mache? Oh Nein! Dann bin ich kein Genie mehr, dann bin ich also Dumm! Ich darf keine Fehler machen, sonst heißt das, ich bin dumm!“

Negative „Du-Botschaften“ wie „Du bist so faul!“ oder „Was hast du dir nur dabei gedacht?“ hingegen, können Gefühle von Schuld und Scham auslösen und greifen meist direkt das Selbstwertgefühl an. Dies führt zu Rechtfertigungen, Abwehr und Kommunikationsblockaden.

Du-Botschaften und die Gehirnbasierte Kommunikation mit Kindern – Auswirkungen von Du-Botschaften auf die Gehirnentwicklung von Kindern

Die übermäßige Nutzung von Du-Botschaften, kann erhebliche Auswirkungen auf die Gehirn-Bereiche von Kindern haben, die für Emotionsregulation und die Entwicklung sozialer Fähigkeiten verantwortlich sind.

So können negativ formulierte Du-Botschaften im Gehirn von Kindern Stressreaktionen auslösen. Das Gehirn reagiert auf angreifende oder verletzende Du-Botschaften mit einer Aktivierung der Amygdala, dem Zentrum für emotionale Reaktionen. Diese schlägt Alarm und verhindert die Aktivierung des präfrontalen Kortex, der für Selbstregulation und das Treffen von Entscheidungen verantwortlich ist. So wird eine konstruktive Konfliktlösung erschwert oder sogar verhindert (siehe auch Gunnar, M. R., & Quevedo, K. (2007).
Ständiges und langanhaltendes Ausgesetzt sein von kritisierenden Du-Botschaften kann zu tiefgreifenden Schwierigkeiten in der emotionalen Entwicklung, wie Empathie, und kognitiven Entwicklung führen (siehe Lupien, et. al., 2009; Eisenberg, & Eggum, 2009), bis hin zu erhöhtem Risiko für psychische Erkrankungen im Erwachsenenalter (siehe Guadagno et al., 2021).

Die Art und Weise, wie wir mit Kindern kommunizieren kann also tiefgreifende und langanhaltende Auswirkungen auf ihre psychologische und neurologische Entwicklung haben kann.

Lerne jetzt mehr über Gehirnbasierte Kommunikation mit Kindern und mach mit bei unserem Schnupperkurs! Im Kurs erfährst du, wie du deine Kommunikation mit Kindern weiter verbessern kannst, indem du die Prinzipien der Gehirnbasierten Kommunikation anwendest.

Den Du-Botschaften stehen die Ich-Botschaften gegenüber, mit denen du so kommunizieren kannst, dass sich dein Gegenüber weniger angegriffen fühlt und du so leichter zu Lösungen kommen kannst. Darum geht’s im nächsten Beitrag!

Literaturangaben:

  • Eisenberg, N., & Eggum, N. D. (2009). Empathic responding: Sympathy and personal distress. In J. Decety & W. Ickes (Eds.), The Social Neuroscience of Empathy (pp. 71-83). Cambridge, MA: MIT Press.
  • Guadagno, A., Belliveau, C., Mechawar, N., & Walker, C. D. (2021). Effects of early life stress on the developing basolateral amygdala-prefrontal cortex circuit: the emerging role of local inhibition and perineuronal nets. Frontiers in human neuroscience, 15, 669120.
  • Gunnar, M. R., & Quevedo, K. (2007). The neurobiology of stress and development. Annual Review of Psychology, 58, 145-173.
  • Lupien, S. J., McEwen, B. S., Gunnar, M. R., & Heim, C. (2009). Effects of stress throughout the lifespan on the brain, behaviour and cognition. Nature Reviews Neuroscience, 10(6), 434-445.

Um keine Blogbeiträge zu verpassen, melde dich jetzt zu unserem Newsletter an!


Das könnte dich auch interessieren

Warenkorb
Kind riecht an Blume

Schnupperkurs Gehirnbasierte Kommunikation

Lerne jetzt, wie dir das Wissen über unser Gehirn in der Kommunikation mit Kindern hilft.

Nur bis  29.4.2024 um 15:30!

Einführung in die gehirnbasierte Kommunikation

Melde dich jetzt für eins unserer kostenlosen Seminare

am 12.9.2023 um 14:30,

oder

am 14.9.2023 um 19:30

an!