Blog Sind glückliche Menschen schlauer

Sind glückliche Menschen wirklich schlauer (Studien-Check)?

“Glückliche Menschen sind 31% schlauer”

Shawn Anchor

Es gibt die Aussage, dass glückliche Menschen „31% schlauer“ seien. Unter anderem berichtet der ehemalige FBI Vermittler Chris Voss (Autor von “Never Split The Difference“/ Deutsch: „Kompromisslos verhandeln“) darüber, aber auch Shawn Anchor, Autor des Buches „The Happiness Advantage“/ Deutsch: „Das Happiness Prinzip“.

Wir sind dieser Aussage nachgegangen!

Die Aussage geht auf die folgende Studie zurück: Ein Forscherteam rund um Sonja Lyubomirsky, Laura King und Ed Diener untersuchte 225 Studien und fanden heraus, dass glückliche Angestellte im Durchschnitt eine um 31% höhere Produktivität haben, ihr Umsatz ist um 37% höher und auch ihre Kreativität ist dreimal höher als jene von Angestellten die negative, neutrale oder gestresste Gefühle empfanden (Lyubomirsky et al. 2005 – Literaturhinweise siehe unter dem Artikel).

Shawn Anchor interpretiert in seinem Buch „The happiness advantage“ die 31% zusätzlich als „gesteigerte geistige Kapazitäten“, auf die wir nicht zugreifen können, wenn wir in anderen, als einer glücklichen Gefühlslage sind. Laut Anchor ist glücklich sein die Quelle für Erfolg, und nicht Erfolg die Quelle für das Glück!

In anderen Worten: Erfolg macht nicht unbedingt glücklich, glücklich sein aber kann erfolgreich machen!

Tatsächlich ist die gesteigerte Produktivität auf den besseren Zugriff auf unseren Präfrontalen-Cortex, der Bereich in unserem Gehirn, der direkt hinter unserer Stirn liegt, zurückzuführen. In unseren Programmen für Kinder heißt dieser Teil des Gehirns das „Helden Hirn“.

Das „Helden-Hirn“ ist für Kontroll- und Regulationsprozesse sehr wichtig:

Bin ich wütend und kratze, beiße, schlage ich mein Gegenüber aufgrund meiner Wut, so handle ich aus tieferliegenden, älteren Gehirn-Strukturen heraus (nicht dem „Helden-Hirn“).

Aktiviere ich hingegen mein „Helden-Hirn“ entscheide ich mich aktiv dafür, meine Worte zu nutzen und mitzuteilen, wie ich mich fühle! Das „Helden-Hirn“ ist auch zum Planen, Entscheidungen fällen und Probleme lösen wichtig, sowie um über unser eigenes Verhalten nachzudenken. Auch unsere eigene Einstellung, welche Art von Denken (starres oder Wachstumsdenken) wir wählen, wird hier beeinflusst! Wenn das „Helden-Hirn“ also aktiv ist, kann man „klarer Denken“. 

Die Studienlage zeigt:

Sind wir glücklich, empfinden wir also wohlwollende, sichere Gefühle, gelingt es und deutlich besser, unser „Helden-Hirn“ einzusetzen und damit kognitive Kapazitäten freizusetzen!

Denn wenn wir uns sagen: „Ich schaffe das!“ gehen wir offen und motiviert an eine Aufgabe heran! Während der Gedanke „Das ist zu schwer!“ von Anfang an blockiert, und darum auch der Zugang zum Helden-Hirn erschwert wird! Denn wenn wir Angst haben, fällt lernen schwer (siehe auch Studie von Chen und Kollegen, 2018)! 

Zahlreiche Studien zeigen, dass die Benutzung unseres „Helden Hirns“ bereits frühzeitig gefördert werden kann. Eine frühzeitige Förderung des Wachstumsdenkens hat einen weitreichenden Einfluss auf sozial-emotionale Kompetenzen von Kindes sowie auf deren schulischen Erfolg (sie z.B. Rhoades et al. 2009)

Die Einstellung, mit der wir an Dinge herangehen, beeinflusst also unser Gehirn und damit unsere Leistung und unseren Erfolg entscheidend! 

Sind glückliche Menschen also 31% schlauer?

Die Literatur spricht dafür! Glücklichere Menschen haben einen besseren Zugriff auf ihr „Helden-Hirn“ und können daher besser denken. Sie sind auch offener dafür, neue Dinge zu lernen und offener und motivierter an unbekannte Aufgaben heranzugehen!

Und genauso, wie wir unsere Muskeln trainieren können, durch Sport stärker zu werden, können wir auch unser Gehirn trainieren, positive Gedanken zu denken! Darum ist es wichtig, für unsere Kinder ihre Gefühle zu verstehen und ihre Gedanken lenken zu lernen! Denn so können sie nicht nur glücklicher aufwachsen, sondern auch an sie gestellte Herausforderungen erfolgreicher meistern!

Literaturtipps:

Chen, L., Bae, S. R., Battista, C., Qin, S., Chen, T., Evans, T. M., & Menon, V. (2018). Positive attitude toward math supports early academic success: Behavioral evidence and neurocognitive mechanisms. Psychological science, 29(3), 390-402.

Crum, A. J., Salovey, P., & Achor, S. (2013). Rethinking stress: The role of mindsets in determining the stress response. Journal of Personality and Social Psychology, 104(4), 716–733. https://doi.org/10.1037/a0031201

Lyubomirsky, S., King, L., & Diener, E. (2005). The benefits of frequent positive affect: Does happiness lead to success?. Psychological bulletin, 131(6), 803. 

Rhoades, B. L., Greenberg, M. T., & Domitrovich, C. E. (2009). The contribution of inhibitory control to preschoolers’ social–emotional competence. Journal of applied developmental psychology, 30(3), 310-320.

Anchor, S. (2010). The happiness advantage. New York, NY: Crown Business.

Voss, C., & Raz, T. (2016). Never split the difference: Negotiating as if your life depended on it. Random House.

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