Blog Liebevoll Grenzen setzen

Wie es dir bindungsorientiert gelingt, Grenzen zu setzen

Wie es dir gelingt, dein Kind sicher zu leiten und dabei eine gute Bindung zu erhalten!

Richtig gesetzte Grenzen geben Kindern nicht nur Sicherheit, sondern helfen ihnen ihre eigenen Gefühle zu regulieren lernen. Sie lernen, dass nach einer Enttäuschung auch wieder Gutes kommt. Das ist der Beginn von Resilienz – also der Fähigkeit, schwierige Lebenssituationen ohne anhaltende Beeinträchtigungen zu überstehen! 

Aber Grenzen setzen ist nicht gleich Grenzen setzen. Grenzen, die mit Druck, Drohen oder Strafen verbunden werden haben oft negative Folgen auf das Kind und seine Entwicklung! 

Darum geben wir dir heute einige Tipps, wie es dir gelingen kann, Grenzen einfühlsam und liebevoll zu setzen.

Als Basis für einfühlsame Grenzen gilt folgende: 

  • Die gute, sichere Bindung mit eurem Kind ist die wichtigste Basis. Damit gibst du deinem Kind das Gefühl, du bist auf seiner Seite und es wird geliebt, so wie es ist!
  • Versetze dich in dein Kind und sehe sein Verhalten aus seiner Sicht. Bringe ihm Mitgefühl und Verständnis entgegen. Versuche seine Position wirklich zu verstehen.
  • Widerstehe der Versuchung dein Kind in irgendeiner Weise bestrafen zu müssen. Die Grenze deutlich zu setzen ist genug!  
  • Nicht die „Macht“ (Ich habe Recht, du hast Unrecht) steht bei der Grenzsetzung im Vordergrund, sondern das Lernen von neuen Dingen. Z.B. das Lernen von Regeln, das Lernen im Umgang mit Gefühlen. 
  • Setze nur die Grenzen, die wirklich notwendig sind (Siehe auch Video zum „Nein“ sagen). 

Wie gelingt es, empathisch Grenzen zu setzen?

Wir unterscheiden 2 Situationen: 

  • Situation 1: Eine Grenze setzen aus einer entspannten Situation heraus 
  • Situation 2: Eine Grenze setzen aus einer bereits angespannten oder eskalierten Situation heraus

Situation 1: Eine Grenze setzen aus einer entspannten Situation heraus

1) Gehe zuerst auf die (vermutlichen) Wünsche deines Kindes ein

z.B.: Kind steht im Bus auf um aus dem Fenster zu schauen: 

„Ich wette, dass du von dort oben aus alles besonders gut sehen kannst!“

Hier ist mein Ziel, dem Kind zu zeigen, dass ich seine Wünsche erkenne und ich verstehe, warum es dieses Verhalten zeigt. Fühlt sich dein Kind verstanden zeigt es mehr Kooperationsfähigkeit, weil du mit deinem Verständnis deinem Kind gegenüber, eure Bindung stärkst. 

2) Nutze Körperkontakt

Körperkontakt löst Anspannungen und stärkt die Bindung zwischen dir und deinem Kind. Außerdem kann Körperkontakt kann eine „Führung ohne Worte“ möglich machen. Warum „Führung ohne Worte“? Worte können schnell in schimpfen oder Vorwürfen enden. Das hat nichts mit liebevoller Grenzsetzung zu tun!Ich kann Nick liebevoll umarmen während ich mit ihm rede. Ich kann ihn im Verlauf liebevoll auf meinen Schoss ziehen. 

3) Erinnere an Regeln oder an mögliche Auswirkungen des Verhaltens

„Die Regeln im Bus sind aber, dass wir sitzen bleiben, damit niemand verletzt wird, wenn der Bus bremsen muss.“

4) Sage deinem Kind, was es tun kann

„Möchtest du dich auf meinen Schoß setzen um besser aus dem Fenster schauen zu können? …

5) Biete Entscheidungsmöglichkeiten

… oder möchtest du lieber hier neben mir sitzen und dich mit mir darüber reden?“

6) Biete Handlungsalternativen

„Ich habe das Gefühl, das sind für dich alles keine guten Lösungen. Die Regeln im Bus sind aber klar. Damit niemand verletzt wird bei einem Unfall müssen wir uns hinsetzen. Möchtest du mit mir „Tiere raten“ spielen?“

7) Nutze die Ebene des Spiels

„Wollen wir Busfahrer spielen? Du könntest der Busfahrer sein und ich bin deine Beifahrerin? Herr Busfahrer – kann ich bei Ihnen ein Ticket bezahlen?“ 

Bleibe in der Spielebene nicht sachlich (dann wäre es eine Handlungsalternative) sondern lade dein Kind direkt in die Spielsituation ein, indem du in deine Spiel-Rolle schlüpfst.

Diese Strategien können auf viele Situationen angewendet werden. Z.B. Das Kind will nicht aufstehen um in die Schule zu gehen:

„Dein Bett ist sicherlich schön warm und kuschelig.
Ich verstehe, dass du noch liegen bleiben willst, oder?“ 

Nutze währenddessen Körperkontakt z.B. Kind massieren.

„Es ist schon Zeit, dass du dich für die Schule fertig machst.
Möchtest du jetzt gleich aufstehen oder soll ich dir den Wecker auf eine Minute stellen und danach ziehst du dich in Raketen-Tempo an?“ 
„Herr Polizei-Chef! Dein Team wartet auf dich! Ein Einsatz ruft!
Schnell schlüpfe in deine Uniform! Brauchst du Hilfe oder schaffst du es schon ganz alleine?“

Situation 2: Eine Grenze setzen aus einer bereits angespannten oder eskalierten Situation heraus 

In der Regel gilt: 

  • Unkooperatives Verhalten ist ein Verhalten, das oft durch verletzte Gefühle ausgelöst wird. Es fühlt sich nicht gesehen, übergangen, nicht geliebt, etc.
  • Unangemessenes Verhalten (z.B. schlagen, schmeißen, hauen) wird oft durch Frust ausgelöst. Also ein Gefühl, mit dem dein Kind erst noch umgehen lernen muss.  

1) Bleibe selbst ruhig

In jeder herausfordernden Situation steckt immer auch eine Lernmöglichkeit! Reagierst du ruhig machst du es deinem Kind leichter, sich selbst regulieren zu lernen! Denn reagierst du selbst mit Anspannung oder Ärger überträgt sich das auf dein Kind und die Situation kann sich leicht aufschaukeln. Es ist nicht immer einfach nach einem langen Tag die Haltung zu bewahren, aber halte dir vor Augen, dass eine Eskalation oft länger dauert und einen negativen Effekt auf die Bindung zu deinem Kind hat.

2) Gehe auf die Gefühle deines Kindes ein

„Ich verstehe du hättest wirklich gerne diese Schokolade bei der Kasse.
Und jetzt bist du traurig, dass du keine haben darfst.
Ich verstehe, dass du so traurig bist.”

3) Verweise auf eine Situation in der Zukunft, in der das Kind das, was es tun möchte, machen darf

Mit dem Ausblick darauf, dass es etwas, was es gerade möchte bald machen darf, beruhigt Kinder häufig.

“Ich verstehe, dass du so gerne im Auto vorne sitzen möchtest. Wenn du groß bist, dann kannst du IMMER vorne sitzen!”

Und schon kommen sie aus der „Panik“ heraus, in der sie in der gegebenen Situation sind beruhigen sich. 
Kinder müssen den Umgang mit Gefühlen erst lernen. Dazu gehört auch der Umgang mit Frust, zu lernen, eigene Bedürfnisse zurück zu stecken und erst einmal zu Warten.
Als Erwachsener bist du automatisch auch ein „Gefühle-Coach“.
Und das will gelernt sein. 

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