Offene Fragen richtig stellen: Wie du mit Kindern leichter ins Gespräch kommst

Die Art und Weise, wie wir mit Kindern sprechen beeinflusst sie maßgeblich in ihrer (Gehirn-)Entwicklung. Offene Fragen stärken emotionale und sprachliche Kompetenzen von Kindern und helfen dir, eine gute Bindung zu ihnen aufzubauen – das A und O für Kooperation und mentale Gesundheit!

Entdecke in diesem Beitrag mehr über Kommunikation mit Kindern und wie du mit gehirnbasierter Kommunikation und offenen Fragen Kinder in einer gesunden Entwicklung förderst!

Was sind offene Fragen?

Wir unterscheiden zwischen geschlossenen und offenen Fragen.

Geschlossene Fragen können mit einem „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden.
Zum Beispiel: „War`s heute schön im Kindergarten?“ Geschlossene Fragen führen meist dazu, dass unser Gegenüber nur kurze Antworten gibt und ein Gespräch kann so leicht ins Stocken geraten.

Offene Fragen hingegen sind Fragen, die nicht mit einem einfachen „Ja“ oder „Nein“ beantwortet werden können. Sie ermutigen unser Gegenüber dazu, Gefühle, Gedanken und andere Informationen mit uns zu teilen.
Zum Beispiel: „Was war heute der lustigste Moment im Kindergarten?“
Diese Frage lädt Kinder ein, über ihren Tag nachzudenken und seine Erfahrungen ausführlicher zu beschreiben.

5 Gründe, warum offene Fragen in der Kommunikation mit Kindern so wichtig sind

  1. Offene Fragen ermutigen Kinder, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken (siehe Lagattuta & Wellman, 2002). Dies ist eine wichtige Fähigkeit, die vor psychischen Erkrankungen schützt!
  2. Indem wir offene Fragen stellen, zeigen wir Interesse an den Gedanken und Gefühlen von Kindern. Dies stärkt Bindung und Vertrauen (siehe Mazzone et al., 2017).
  3. Kinder lernen durch offene Fragen, wie sie auch komplexe Gedanken so mitteilen können, dass ihr Gegenüber sie versteht (siehe Wellman & Banerjee, 1991). Dies fördert nicht nur emotionale, sondern auch sprachlichen Fähigkeiten (siehe Scull, Paatsch & Raban, 2013). Wichtig ist hier natürlich, geduldig Kindern beiseite zu stehen – mehr dazu gleich in den Tipps!
  4. Offene Fragen helfen Kindern außerdem, über verschiedene Lösungsmöglichkeiten nachzudenken und Herausforderungen konstruktiv anzugehen (siehe Wasik & Hindman, 2013; Agustianingsih & Mahmudi, 2019; Monrat et al., 2022). Mit deinen offenen Fragen kannst du sie anleiten, selbstständig Lösungen zu finden!
  5. Durch offene Fragen fühlen sich Kinder gesehen und gehört, ein wichtiger Punkt in der gehirnbasierten Kommunikation. Denn dies stärkt im Gehirn die Verbindung vom limbischen System zum präfrontalen Cortex, dem „Helden-Hirn“ (siehe z.B. Banks et al., 2007; Ray & Zald, 2012; Sahin, Tasso & Guler, 2023). Diese Verbindung ist wichtig für viele Fähigkeiten wie z.B. Gefühle lenken zu können, aus Fehlern zu lernen, selbstständige Problemlösefähigkeiten und bewusste Entscheidungen fällen zu können.

Wie funktionieren offene Fragen? 4 konkrete Tipps mit Beispielen

Tipp 1: Vermeide Fragen die Kinder überfordern:

Zu komplexe oder abstrakte Fragen können Kinder überfordern und so wie geschlossene Fragen zu knappen Antworten führen. Achte darauf, dass deine offenen Fragen altersgerecht und angemessen sind, um deine Kommunikation mit Kindern zu verbessern.

Statt: „Wie war dein Tag heute?“
Bessere Fragen:

  • „Was hat dir im Kindergarten heute am meisten Freude gemacht?“
  • „Was gab es heute zu Mittagessen?“
  • „Mit wem hast du heute draußen gespielt?“

Tipp 2: Vermeide suggestive Fragen:

Bei dieser Frageform wird bewusst oder unbewusst versucht, das Kind in seinen Antworten zu lenken oder bestimmte Informationen zu suggerieren. Dies führt dazu, dass Kinder Antworten geben, die eher der Ansicht der fragenden Person entsprechen als der von ihnen selbst!
Achte also darauf, Fragen zu stellen, ohne bestimmte Erwartungen.

Statt: „Hat dich Fritz heute wieder geärgert? Bestimmt oder?“
Frage: „Hast du dich heute im Kindergarten über etwas geärgert? Wenn ja, über was?“

Tipp 3: Gib Kindern Zeit zu antworten anstatt sofort selbst Lösungen vorzugeben:

Gib Kindern Zeit, um auf deine offene Frage zu Antworten. Nicht immer ist es leicht eine Antwort auf eine offene Frage zu finden! Wir Erwachsene neigen leider dazu, Kindern rasch Lösungen vorgeben zu wollen! Dies passiert besonders dann, wenn Kinder nicht sofort eine Antwort auf deine Frage geben. Ein wenig Geduld und nachfragen kann hier Wunder wirken! Zeige dem Kind, dass du wirklich an seiner Antwort interessiert bist!

Statt: „Du könntest xyz machen!“
Frage: „Was könnte denn der erste Schritt sein, denn du jetzt machen könntest, um an dein Ziel zu kommen?“

Tipp 4: Höre aktiv zu:

Zeige Kindern, dass du wirklich und echt (authentisch) an seinen Gedanken und Gefühlen interessiert bist! Aktives Zuhören bedeutet nicht nur, Kindern zuzuhören, sondern auch wertschätzend auf das Kind einzugehen (siehe dazu auch unser letzter Blogbeitrag: Die Macht des Zuhörens).

Statt kaum auf das Kind zu achten, während es dir eine Antwort auf deine Frage gibt achte darauf, ihm verbal (z.B. „mhm“) oder nonverbal (z.B. Kopfnicken, lächeln) Rückmeldung zu geben und ihm zu zeigen: „Ich höre dir zu! Du bist mir wichtig!“

Zusammenfassung: Nutze die Kraft der offenen Fragen in der gehirnbasierten Kommunikation mit Kindern

Offene Fragen sind wichtig in der Kommunikation mit Kindern, um die Bindung zu stärken, emotionale- und sprachliche Kompetenzen zu fördern und sie in einer gesunden (Gehirn-)Entwicklung zu unterstützen. Mit ihrer Hilfe ermutigst du Kinder, ihre Gedanken und Gefühle auszudrücken und hilfst ihnen, konstruktive Problemlösestrategien zu entwickeln. Indem wir achtsam und einfühlsam offene Fragen einsetzen, schaffen wir eine positive Gesprächskultur, in der Kinder sich gehört und verstanden fühlen.

Lerne jetzt mehr über Gehirnbasierte Kommunikation mit Kindern und mach mit bei unserem Schnupperkurs! Im Kurs erfährst du, wie du deine Kommunikation mit Kindern weiter verbessern kannst, indem du die Prinzipien der Gehirnbasierten Kommunikation anwendest.

Literaturangaben:

Agustianingsih, R., & Mahmudi, A. (2019, October). How to design open-ended questions?: Literature review. In Journal of Physics: Conference Series (Vol. 1320, No. 1, p. 012003). IOP Publishing.
Banks, S. J., Eddy, K. T., Angstadt, M., Nathan, P. J., & Phan, K. L. (2007). Amygdala–frontal connectivity during emotion regulation. Social cognitive and affective neuroscience, 2(4), 303-312.
Lagattuta, K. H., & Wellman, H. M. (2002). Differences in early parent-child conversations about negative versus positive emotions: implications for the development of psychological understanding. Developmental psychology, 38(4), 564.
Mazzone, S., Roskam, I., Mikolajczak, M., & Nader-Grosbois, N. (2017). Do parents talk about emotions with their children? the questionnaire of parent-child conversations about emotions (QPCCE). Psychology, 8(07), 987.
Monrat, N., Phaksunchai, M., & Chonchaiya, R. (2022). Developing students’ mathematical critical thinking skills using open-ended questions and activities based on student learning preferences. Education Research International, 2022.
Ray, R. D., & Zald, D. H. (2012). Anatomical insights into the interaction of emotion and cognition in the prefrontal cortex. Neuroscience & Biobehavioral Reviews, 36(1), 479-501.
Sahin, N. H., Tasso, A. F., & Guler, M. (2023). Attachment and emotional regulation: examining the role of prefrontal cortex functions, executive functions, and mindfulness in their relationship. Cognitive Processing, 24(4), 619-631.
Scull, J., Paatsch, L., & Raban, B. (2013). Young Learners: Teachers’ Questions and Prompts as Opportunities for Children’s Language Development. Asia-Pacific journal of research in early childhood education, 7(1).
Wellman, H. M., & Banerjee, M. (1991). Mind and emotion: Children’s understanding of the emotional consequences of beliefs and desires. British Journal of Developmental Psychology, 9(2), 191-214.
Wasik, B. A., & Hindman, A. H. (2013). Realizing the promise of open‐ended questions. The Reading Teacher, 67(4), 302-311.


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