Blog Warum Grenzen wichtig sind

Warum Grenzen-setzen für emotional starke Kinder wichtig ist

Oder: Wie du emotional sichereund kompetente Kinder erziehst.

Im heutigen Beitrag möchten wir euch an einem Beispiel zeigen, warum es wichtig ist, Kindern Grenzen zu setzen. Grenzen geben Kindern Sicherheit und fördern emotionale Kompetenzen wie Frustrationstoleranz, das Zurückstellen eigener Bedürfnisse und Empathie. 

Die Wünsche von Säuglingen sind mit ihren Bedürfnissen identisch. Aber im Laufe der Zeit ändert sich das. Die Bedürfnisse von Kleinkindern stehen häufig in direktem Widerspruch zu ihren langfristigen Entwicklungsbedürfnissen und ihrer emotionalen Sicherheit. Wenn Eltern diesen Entwicklungssprung nicht schaffen und nicht lernen, ihren Kindern alters-adäquate Grenzen zu setzen, entwickeln ihre Kinder nicht die Fähigkeit, Frustration zu tolerieren oder sich selbst zu regulieren.

1) Grenzen geben Sicherheit

In einer uns unbekannten Situation, wünschen wir uns dann nicht alle eine verlässliche, weise Person, die uns an der Hand nimmt und uns den Weg zeigt?

Wir können uns für Kinder das Leben wie eine Rutsche vorstellen. Zu Beginn, benötigt das Kind eine ganz sanfte Rutsche. Es braucht Wärme und Sicherheit. Am besten rutscht es sich in diesem Alter in den Armen einer starken Person, die das Kind schützt. In diesem Alter ist der Wunsch des Kindes gleichzusetzen mit seinen Bedürfnissen!

Je älter das Kind jedoch wird, desto neugieriger wird es, und desto mehr möchte es selbstständiger rutschen. Im Alter zwischen 2 und 6 wünscht es sich vielleicht sogar eine Rutsche, die niemals endet oder eine ganz wilde Rutsche, mit vielen Saltos. Dieser Wunsch entspringt aber der Entwicklungsphase, die für ein Kind in diesem Alter normal ist. Das Kind möchte alles alleine machen, der Wortschatz explodiert und es hat eine riesengroße Fantasie. In diesem Alter leben Kinder in einer Ich-Zentrierten Welt, alles dreht sich rund um sie selbst und eigene Bedürfnisse. Es hat noch nicht die Fähigkeit, in die Zukunft zu denken. Erst ab etwa 4 Jahren können sich Kinder aktiv in andere hineinversetzen. Bezogen auf unsere Rutsche, kann sich das Kind noch nicht vorstellen, dass es irgendwann in kurzer, absehbarer Zeit, den Wunsch haben wird, diese Rutsche wieder zu verlassen. Das Kind lebt im HIER und JETZT. In diesem Alter ist der Wunsch des Kindes daher nicht mehr mit seinen Bedürfnissen gleichzusetzen! 

Es wird also in zunehmendem Alter immer wichtiger, dass wir Superhelden-Coaches den Kindern den Weg zu der sicheren Rutsche zeigen. 

Stellt euch nur einmal vor, ihr rutscht auf einer Schrägen, ohne Abgrenzung, ein Ende ist nicht zu sehen. Ihr rutscht schneller und schneller und schneller. Das mag am Anfang lustig sein, kann jedoch sehr schnell, sehr beängstigend werden! Genau so kann es sich für Kinder ohne Grenzen anfühlen. Während sie sich zu Hause eventuell alles erlauben, kann es sein, dass sie spätestens in der Schulzeit, anstatt den Lernstoff zu lernen, die Unterrichtsstunde lieber unter dem Tisch verbringen als dem Unterricht zu folgen und sich am Gruppen-geschehen zu beteiligen. Gründe dafür mögen Ängste sein und auch, dass diese Kinder nicht gelernt haben, eigene Bedürfnisse zurück zu stecken und immer noch in der Ich-Zentrierten Phase eines 2-3-jährigen Kindes stecken.

Kommen wir zurück zur Rutsche: Wir würden unsere 2-6-jährigen Kinder am Spielplatz auch nicht die „mega-Looping-grenzenlose“ Rutsche rutschen lassen, sondern eher auf die altersgerechte Kinderrutsche verweisen. Die Rutsche, die zu beiden Seiten einen gerade so hohen Fallschutz hat, dass das Kind nicht hinausfallen kann, dass es sich anhalten und eventuell sein Tempo drosseln kann, wenn es Angst bekommt. Das es SICHER ist. Genau dies geben wir unseren Kindern auch, wenn wir ihnen Grenzen setzen. Wir geben ihnen damit das Gefühl: „Du darfst Kind sein. Ich bin deine sichere Hand und bin für dich da. Ich führe dich ins Leben und beschütze dich!“

Genau so, wie der Rand der Rutsche, geben auch die Grenzen, die wir setzen, Kindern emotionale Sicherheit. 

Ein weiteres Beispiel ist das Beispiel eines Kreises. Stellen wir uns vor, wir stehen mit verbundenen Augen in einem Kreis und sollen dessen Begrenzung finden. Dies wird uns relativ einfach und sicher gelingen, wenn der Kreis still ist und die Begrenzung immer an der gleichen Stelle ist. Die Grenzen in unserem Kreis zu kennen gibt uns Sicherheit. Zusammengefasst fühlen wir uns emotional stabil.

Anders sieht es aus, wenn der Kreis um uns herum sich bewegt. Er ist unstet, mal ist eine Grenze hier, mal ist sie dort. Wenn wir blind danach tasten sind wir ungewiss, ob als nächstes eine Grenze kommt, oder ob sich die Grenze, die kürzlich noch da war, verschoben hat. Dies gibt uns das Gefühl der Unsicherheit. Wir wissen nicht, was als nächstes kommt! Wir beginnen uns Gedanken zu machen, können uns eventuell auf andere Dinge weniger gut konzentrieren, denn wir machen uns Sorgen. Andererseits genießen wir manche Freiheiten und ärgern uns dann, wenn die Freiheit begrenzt wird. Wir reagieren dann vielleicht mit Ärger, Jammern, Klagen oder auch mit Aggression. Zusammengefasst fühlen wir uns emotional instabil.

Je älter das Kind wird, desto unabhängiger möchte das Kind werden. Erwachsene stehen nun vor der Herausforderung zu wissen, in welcher Phase ihr Kind was selbstständig entscheiden kann und wie viele Grenzen ihr Kind in welcher Phase benötigt.

Ab ca. 7 Jahren wächst das logische Denken. Kinder kommen dann häufig in die Phase, in der sie selbst erkennen könnten, dass eine grenzenlose Rutsche Gefahren birgt. Es ist auch die Phase, in der Kinderängste wieder größer werden können. Ab etwa 12 Jahren ist das kindliche Gehirn soweit entwickelt, dass es rationaler Denken kann und auch in Hypothesen denken lernt. 

All dieses Verhalten ist neuropsychologisch gut untersucht. So entwickelt sich der vordere Bereich des Gehirns (Präfrontaler Cortex) erst relativ spät. Dieser ist für Planung, Priorisierung und Verarbeitung zuständig und verantwortlich für die Verbindungen zwischen Arealen, die für Gefühle, und jenen, die für Planung zuständig sind. Dieser Teil der Gehirnentwicklung ist erst im Alter von etwa 24 Jahren abgeschlossen, wobei sich das Gehirn ein Leben lang weiterentwickelt.

2) Grenzen lehren Kindern den Umgang mit eigenen Gefühlen, besonders Frustrationstoleranz

Wer sich mit Gehirnentwicklung beschäftigt weiß, dass unser Gehirn die Dinge gut lernt, die es auch übt. Und werden Kindern nie Grenzen gesetzt, hat es auch keine Chance, Dinge wie Selbstregulation oder Frustrationstoleranz zu üben. Unsere Kinder benötigen also unsere Unterstützung, um sich emotional gesund entwickeln zu können.

Setzen wir Grenzen, stehen Kinder vor der Notwendigkeit, ihren Wunsch etwas haben zu wollen, selbstständig zu regulieren. Das ist harte Arbeit und benötigt Übung! 

Haben Kinder eine sichere Bindung, so schaffen sie es mit Übung, ihren eigenen Wunsch hinten anzustellen und sie lernen, sich selbst zu regulieren. Kinder ohne klare leitende Hand zeigen häufiger Wutausbrüche, jammern mehr, klammern mehr und haben oft Schwierigkeiten sich selbst zu regulieren.

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